Montag, 14. Juli 2008
Bruchteil einer Erzählung
Endlich brach das langgezogene Wimmern ab, welches die letzten Stunden angehalten hatte. Es hatte sich von einer Art krähenden Quietschens gewandelt zu heiseren Schreien und war schliesslich zu dieser Lautfolge geworden, welche im Innenhof der Festung leicht nachhallte. Etwas Menschliches hatten die Schreie schon lange nicht mehr gehabt, und ich fragte mich, wer der arme Teufel war, der jetzt unter Qualen sein Dasein beendet hatte.

Obwohl, vielleicht war auch nur das Bewussstsein unter der Anstrengung zusammen gebrochen. Der Baron achtete darauf, seine Opfer nicht zu schnell sterben zu lassen; was für die meisten seiner Bediensteten und bestimmt für sein Volk unsägliche Gräueltaten waren, galten ihm, dem Herrn von Karresach als unterhaltsame Vergnügungen.

Meine Rolle war die eines Beobachters, und ein Eingreifen in die Geschehnisse war mir nicht möglich. Damit meine ich nicht, es war mir untersagt oder ich hätte mich selbst in Gefahr begeben - es war mir technisch nicht möglich. Eine neue Technologie hatte Tore in die Zeit aufgemacht, aber man bereiste sie nur mit seinen Sinnen; man konnte nur erfahren, was geschehen war; die Schreie des Gequälten hören, Dienstmädchen in schmutzigen Wamsen zur Küche eilen sehen und den Gestank des guten alten, romantischen Mittelalters riechen. Man war auf die Rolle des Voyeurs beschränkt, aber noch etwas brachte diese magische Kamera nicht mit - Feinjustierung.

Das Projekt war zur Zeit noch so teuer, dass das Öffnen eines Fensters in die Vergangenheit einen organisatorischen Aufwand mit sich brachte, welcher früher für Weltraummissionen vorbehalten war. Riesige Budgets, und auch zweifelhafte Ergebnisse wirkten abschreckend auf Sponsoren; und man bekam trotz genauester Berechnungen entweder die Zeit oder den Raum gut hin.

Und dann bat dieser Russe um eine Unterredung mit der Projektleitung. Es sei, so hatte er sich ausgedrückt, weniger eine Frage des Geldes, welches benötigt werden würde, als vielmehr eine Frage der Nerven und, ja, der Ethik.

Kennen Sie jemanden, der ein Projekt wie dieses verantwortet, und der Ethik über den Erhalt des Projekts stellt? Sehen Sie, ich auch nicht. Und deswegen sitze ich hier und höre mir mit an, wie ein Baron einer kleinen Provinz Menschen zu Tode foltert. Kommen Sie mir also nicht damit, ihr Job wäre ätzend oder langweilig.

Doch zurück zu der Frage hinter all dem, was ich bislang erzählt habe - warum? Warum gibt jemand das Bruttosozialprodukt eines kleinen Staates aus, nur um zu beobachten was sein Vorfahr, der Folterbaron Anjewi, tatsächlich getan hat?

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subverting reality since 2206 days
last updated: 2008.08.28, 17:00
not a religion - do not worship

"Anybody remotely interesting is mad in some way." - The Seventh Doctor
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by khae (2008.08.28, 17:00)
schon wieder mittwoch. und alles so schön hier.
by khae (2008.08.27, 19:38)
im sinne von keine weiteren informationen dazu? naja, ich hab hier ja schon mal...
by khae (2008.08.26, 20:51)
ist wie das entwurmungsmittel, oder?
by don papp (2008.08.26, 20:33)
Juhu Endlich sind wir von einer der bescheuertsten Banken weg, bei denen ich je ein...
by khae (2008.08.26, 19:13)
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by khae (2008.08.23, 21:46)

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